9. Nacht:  Der Sonderdienst und das Gewicht

<xx>   Falls du, liebe Leserin, lieber Leser, an Gewichtsproblemen leidest, bitte die nächsten beiden Absätze im Text überspringen, denn es könnte doch arg arrogant klingen, was ich schreibe, obwohl es so nicht gemeint ist. Aber der Aspekt Arbeit und Gewicht gehört auch in diese Mini-Serie der Baustellenbewachung.

Es ist kaum zu glauben, denn alleine durch die nunmehr 18 Radfahrten des Arbeitswegs von täglich zwei Mal 12 km (unangestrengt mit dem Pedelec) habe ich in dieser Woche drei Kilo an Gewicht verloren. Trotzdem hatte ich jeden Tag mindestens geschätzte 2.500 kcal zu mir genommen, sogar gegessen, obwohl ich keinen Hunger hatte. "Freue dich doch!" oder "Du Angeber, dass du es so erzählst!", raunt es schon in meinem Hinterkopf, doch nein, nein, nein, ich bin es einfach nur leid, dass mein Gewicht dermaßen Schwankungen unterworfen ist, je nachdem, was ich während der Woche mache oder nicht. Es soll - wie früher - stabil bleiben. Nun gut, vielleicht war es früher ja gar nicht so stabil, denn die Angewohnheit, mich täglich auf die Waage zu stellen, ist bekanntlich neu, das habe ich früher nie gemacht. Auch habe ich natürlich nichts dagegen, drei Kilo abgenommen zu haben, nur weiß ich genau, dass nach der Sonderbewachung innerhalb weniger Wochen die Kilos wieder zurückkommen werden, und um einen JoJo-Effekt zu vermeiden, werde ich dann erneut eine Zeit lang auf mein Essen achten müssen. Und das will ich eben nicht, es nervt. Naja, alternativ freiwillig, regelmäßig und ausnahmslos am Tag zwei Mal rund 10 km Rad zu fahren, also nee, das wäre in meinen Augen dann doch unökologische Energieverschwendung und ist mit meiner Naturfaulheit sowieso nicht zu vereinbaren.

An den Rundgängen auf Arbeit liegt es übrigens nicht, die habe ich bereits nach der zweiten Nacht schön rationalisiert, so dass sie in etwa kilometertechnisch den Nachtwanderungen mit Elli entsprechen, vielleicht etwas mehr aber nicht für drei Kilo. Der Unterschied liegt nur in deren Verteilung, denn während ich in bewegungsarmen Zeiten ein Mal am Tag lange mit Elli unterwegs bin, verteilen sich momentan mehrere kürzere Rundgänge auf 12 Stunden. Aber ob das den Unterschied bringt, glaube ich weniger, es kann also nur an den zweimaligen täglichen Radfahrten liegen. Jedenfalls stehe ich statt der ziemlich stabilen 34 Kilo minus jetzt wieder bei 37 Kilo minus und nur drei Kilo über dem Gewicht, das ich mit 20 Jahren wog. - Und sogar 15 Kilo weniger als 2002, liebe G. (ja, das war jetzt angeberisch - ist aber viel eher neckend gemeint im Sinne eines Ansporns: Wenn ich das kann, kannst du es allemal!).

Die gute Elli trägt auch einiges mehr an Bewegung mit ihren alten Knochen, sie bekommt aber seit neun Tagen eine doppelte Portion mehrfach am Tag/Nacht verteilt zu essen. Bei ihr verändert sich gewichtstechnisch nichts. Sie ist übrigens täglich hin- und hergerissen: einerseits kann sie es kaum erwarten, zu ihrer Abenteuer-Baustelle zu gelangen, freut sich dort die ersten Stunden wie Bolle, hat dermaßen Spaß am Aufpassen, bellt bei jedem kleinen untypischen Geräusch (weil sie weiß, dass ich sodann vom Stuhl aufstehe und mit ihr auf Entdeckungstour gehe), andererseits steht sie spät morgens, wenn's schon wieder hell ist, freiwillig neben dem Hundeanhänger und gibt mir deutlich zu verstehen, dass sie hinein möchte und genug für heute hat. Hunde und Menschen sind sich doch so unglaublich ähnlich, wenn man mal genauer hinsieht.

Ein kleiner visueller Einblick zur heutigen Nacht (mit Blitzlicht aufgenommen und verstaubter Linse, habe ich erst hinterher bemerkt). Seit zwei Nächten steht mir (vorübergehend) ein super Tisch zur Verfügung. Man erkennt es nicht so richtig, er hat aber vier Beine, steht fest und wackelt kein bisschen. Der Platz vor der Außerirdischen wird mit Argusaugen von ihr bewacht, dort liegen nämlich diverse Leckerchen im Staub - von ihr selber dorthin wohl platziert.