11. Nacht:  Vom Altwerden

<xx>   Och, die liebe Gabi glaubt, sie werde alt, damit steht sie aber nicht alleine, das kann ich noch toppen. Eigentlich wollte ich es stillschweigend vergessen lassen, doch nun mal Butter bei die Fische:

Zu meiner Baustelle nehme ich den großen, schweineteuren aber grundsoliden Rucksack von Wenger mit. Gefüllt mit 8 Kilogramm - in Worten: ACHT, hebe die mal! Von wertvoller Technik über diversen anderen Kram bis hin zu Wechselunterwäsche, Strümpfe, Handtuch usw. (man kann nie wissen). So, auf der Baustelle - und das ist bei jeder Baustelle leider so - wird geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist. Auch um das zu verhindern, bin ich letztlich dort. Gestern dann hatte ich den Rucksack morgens VERGESSEN! Wohlgemerkt, 8 Kilogramm. Mein Fahrrad denkt sowieso jeden Tag, ich habe wieder zugenommen.

Bis 8 Uhr hatte ich alles schön verpackt, der Rucksack stand neben dem Rad, Elli ab in den Hänger und - der Rucksack blieb stehen. Ich wunderte mich während der 12 Kilometer Fahrt zwar über einen anscheinend nicht spürbaren Rückenwind, der mich recht flott fortbewegen half, aber ansonsten glitt ich fröhlich pfeifend gen sweet Home in den Feierabend hinein. Zu Hause angekommen packte ich alles aus, schloss das Rad an die Ladestation an, zog mich um, verwöhnte Elli mit kulinarischen Leckerchen - alles prima. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück packte ich den Essenskram für die kommende Nacht wieder in die Satteltaschen und merkte immer noch nichts. Erst Stunden später in dem Moment, da ich den Warn-Regenmantel angezogen hatte und nun den Rucksack mit einem eleganten Schwung schultern wollte - da war er weg. Einfach nicht da. Hallo? Wo ist der Rücksack? P-A-N-I-K-! Die reinste Panikattacke machte sich in mir breit.

Hektische Telefonate folgten (hat jemand meinen Rucksack gesehen?), die Kollegen in der Firmenzentrale verrückt gemacht, Chefin genervt, Familienmitglieder der Nachbarschaft im Haus tyrannisiert - ich verkürze das jetzt mal hier.

Jedenfalls hatte genau an diesem Tag, dem einzigen in der Woche, ein Kollege mich abgelöst. Der hatte den Rucksack sofort an sich genommen und während des Tages mehrfach vergeblich versucht, mich anzurufen (ich habe mein Telefon zur Zeit komplett ausgestellt). Es war also alles noch da. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich hätte diesen Mann knutschen können, was ich ihm natürlich auch sagte. An jedem anderen Tag wäre der Rucksack nicht mehr auffindbar gewesen oder etwas hätte gefehlt.

Das alles war unglaubliches Glück, von wegen, man habe nie Glück, immer nur die anderen und so, nein, nein, das Glück ist überall.

Aber was mir zutiefst zu Denken gibt, ist die Tatsache, dass ich die ganze Zeit absolut nichts gemerkt hatte. Wie kann man das Fehlen eines 8-Kilo-Rucksacks sogar beim Radfahren von 12 Kilometern und selbst anschließend zu Hause nicht bemerken???

Das, liebe Gabi, ist alt ;-)