12. Nacht:  Milde Nächte, Windows und Ellis Begegnung

<xx>   "Es ist unglaublich mild in diesen Nächten. Ich sitze draußen vor der Halle auf dem Campingstuhl in einer leichten Jacke. Drinnen, zwar offen, so doch windgeschützt, war es bisher wärmer als draußen - jetzt ist's umgekehrt. Welch ein Auf und Ab des Wetters. Im August der Herbst, im (fast) Oktober schön spätsommerlich.

Was lese ich zur Zeit? Windows 9 bzw. Windows 10 stehen in den Startlöchern und die Verrückten berichten erwartungsvoll darüber als stünde eine Zeitenwende bevor. Dabei rudert MS größtenteils damit zurück in Richtung Windows 7. Was wurde aus den hysterischen Begeisterungsstürmen über Windows 8, die für uns Normalanwender bereits epochale Veränderungen beschworen hatten? Heute tun sie so, als würde uns mit Win9/10 ein jahrelanges Ärgernis des Win8 endlich genommen. Hallo? Ich denke, Windows 8 sei bereits die eierlegende Wollmilchsau gewesen? Warum nur fühlen sich immer mehr (ältere User) grundlegend an der Nase herumgeführt?

Ich möchte nicht wissen, wie viel (noch mehr) an versteckter Hintergrundkommunikation, die man kaum oder gar nicht mehr vernünftig abschalten kann, bei Windows 9 (10) integriert sein wird. Wenn ich lese, dass Teile des Betriebssystems in Zukunft in die Cloud ausgelagert werden sollen, wird mir aber so was von übel. Irgendwann funktioniert mein Rechner online gar nicht mehr, ohne dabei überwacht zu werden. Mensch, das übertrifft sogar "1984" um Längen. Für alle, die jetzt meinen, dies sei bereits heute der Fall - das stimmt nur bedingt, denn es ist nach wie vor möglich, über 90% dieser Hintergrundkommunikation heute (noch) auszuschalten. Dazu darf man sich nur nicht Angst machen lassen durch das Thema der "Sicherheit", das zunehmend einzig dazu benutzt wird, um bei den User-Schäflein Tür und Tor auf die heimischen Rechner zu öffnen.

Ich glaube, es ist auch wieder lediglich so ein Generationen-Ding: bald denken die Menschen, Betriebssysteme seinen gar nicht ohne Hintergrundkommunikation möglich. Und online warten hinter jeder Ecke sowieso nur böse Menschen, vor die man sich selber nicht schützen kann. Und dann ist es nicht mehr weit, da wir alle nur noch Marionetten sind. Mein Gott, das Web ist das Leben und nicht eine geschützte Schulveranstaltung. Für das Leben lernen und nicht vor dem Leben beschützen, sollte das Motto lauten. Doch Schutz = Kontrolle = Macht.

Ich bin mal gespannt, bis wie weit sich die Menschen von Microsoft, Facebook & Co. verarschen lassen oder ob da vielleicht irgendwann eine Grenze erreicht wird, an der die User erkennen, was man eigentlich von ihnen will. Was denn? Am Ende steht einzig und allein ihr Geld.

Während ich also bis vorhin noch diesen Gedanken nachhing, wurde Elli immer hektischer. Sie tänzelte in einigen Metern Entfernung um etwas herum, um einen schwarzen Schatten, wie's mir schien. Somit erhob ich mich aus den bequemen Stuhl und schaltete die Lampe ein - da saß sie, Ellis Alptraum ungezählter Nächte, feist und fett und riesenhaft, nur unwesentlich kleiner als Elli selbst, die pechschwarze Monsterkatze. Solch ein Riesenvieh habe ich selten zu Gesicht bekommen. Sie ließ sich nicht im Geringsten durch Elli aus der Ruhe bringen, knurrte nur bedrohlich, was auch seine Wirkung zeigte, denn Elli blieb instinktiv in gebührendem Abstand. Wäre ich ein Angler, würde ich jetzt schreiben, sie sei sooo gewaltig gewesen und dabei erklärend meine Arme weit auseinanderreißen. Die Kamera war drinnen in der Halle im Rucksack, ich eilte hinein - natürlich kam ich zu spät, um ein Bild zu machen, das Monster hatte sich im Nu in nichts aufgelöst. Bei der nächsten Begegnung ist die Kamera dabei, versprochen.

Jetzt gehen Elli und ich zu Tisch. Mittag. Sogar für uns mit ein klein wenig Verspätung von einem knappen Stündchen.