19. Nacht:  LED-Licht, Visionen, die real wurden

<xx>   Baufortschritte. Zwar sitze ich noch immer im Kalten in einem zum Teil offenen Bau, doch seit heute gibt es überall Beleuchtung. Auch interessant: egal wozu, es gibt keinerlei herkömmliche Lampen mehr, keine Halogen- oder Leuchtstoffbeleuchtung, nur noch LEDs. Ob Strahler, Hinweisschilder, indirekt oder direkt - in allen möglichen Variationen LED-Licht. Da werden die Betriebskosten für die Beleuchtung locker um ¾ sinken, was für das Unternehmen einen Riesenbetrag ausmachen wird, denn am Ende werden sicher Hunderte oder mehr dieser modernen Lampen dort in Betrieb sein.

Was mich jetzt nur knapp 14 Jahre zurückdenken lässt. Ich weiß noch als sei es Gestern gewesen, da ich eine der wohl ersten LED-Lampen gekauft hatte, die es auf dem Markt gab. Eine Taschenlampe war's (es gab noch nichts anderes), die ich zur Fahrradbeleuchtung umgebaut hatte (leider nach einem Jahr verloren, ich hab zwar die tollsten Ideen aber über meine handwerklichen Fähigkeiten hüllen wir am Besten den Mantel des Schweigens). Jedenfalls lachten die meisten Leute damals über die LEDs. Zu jener Zeit war von sog. Fachjournalisten in den Medien überwiegend darüber zu lesen, dass eine Marktreife noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte erfordern würde und zwar immer im Tenor des Belächelns, des Nicht-Ernst-Nehmens dieser Technologie. Hingegen war mir vom ersten Moment an bewusst, dass dies nicht nur falsch war und sehr viel schneller geschehen würde, auch sagte ich bereits damals jedem, dass die LEDs sogar sämtliche herkömmliche Beleuchtung ersetzen würde. "Niemals!", schallte es mir überall entgegen, denn den meisten Menschen fehlte die Vorstellungskraft, die vorhandene Technik, die sich noch in ihren Kinderschuhen befand, dort "hinaus zu denken". Es ist ähnlich wie mit dem Internet; auch hier hatte ich Mitte der 1990er Jahre bereits die kompletten gesellschaftlichen Veränderungen vorausgesehen - übrigens, nicht alleine ich, um Gottes Willen, ich möchte hier und jetzt nicht arrogant klingen. Mein Bruder hatte es genauso erkannt und einige andere Menschen ebenso - doch die meisten, "der Mainstream" eben nicht, die Masse ist immer dumm und ungeheuer fantasie- bzw. vorstellungsarm.

In beiden Fällen befinden wir uns erst am Anfang ihrer Technik, nicht an dessen Ende. Ihr Potenzial ist gerade ein mal angekratzt worden. LEDs ersetzen momentan normale Glühlampen (richten sich an vorhandene Bauformen und Bedingungen aus), werden aber zukünftig völlig neue Arten der Beleuchtung hervorbringen, genauso wie das Internet und die Kommunikation: Smartphones sind kein Endprodukt, sondern stellen lediglich eine Art Übergangstechnik dar, an dessen zukünftige Erscheinungsformen die heutige Fantasie noch an ihre Grenzen stößt. Beide Technologien befinden sich in der Pubertät, wir erleben ihre Jugend, da ist noch einiges zu erwarten.

Nun ist also nur knapp ein Jahrzehnt vergangen und ein kompletter Gebäudekomplex, eine Art Mini-Shoppingmall wird mit Hunderten oder sogar Tausenden LED-Lampen bestückt. Da war wieder mal die Realität schneller als jede Prognose. Ein weites Beispiel für die Unzulänglichkeit von Vorhersagen, wenn ihnen der entscheidende Kick fehlt: nämlich die Fantasie. Es sind immer die Entwickler, deren Fantasie am Ende als Realität alle bass erstaunen lässt.

Das Thema heute passt ja zufällig prima zur gestrigen Nobelpreisentscheidung an die drei japanischen LED-Pioniere. Deren Vorstellungskraft und Fantasie ist Wirklichkeit für uns alle geworden. Das muss für sie doch ein fantastisches Gefühl sein.