26. Nacht:  Selbstgespräche

<xx>   "Wie ist das denn so, mit wem redest du nachts?" Ha! Gut dass ich Elli habe. Mit ihr natürlich ;-)

Tja, auch so'n Thema. Ich führe tatsächlich leise, so doch deutlich hörbar Selbstgespräche. Sollte jemand das mitbekommen, ist es die liebe Elli, mit der ich rede. Aber ernsthaft, man kann schon ohne Selbstgespräche leicht das Reden verlernen, denn trotz mobiler Kommunikation befinden sich die Protagonisten meines sozialen Umfeldes zu dieser nachtschlafenden Zeit in mehr oder weniger angenehmen Träumen. Nun stünden im Internetzeitalter für eine Unterhaltung reichlich Bewohner der sonnenbeschienenen Erdhälfte zur Verfügung, doch mit Deutsch als Muttersprache ist's da schon schwierig.

Kurz angemerkt: Ich weiß noch 1996, als ich zum ersten Mal in Englisch nachts von zu Hause aus mit jemandem aus New York chattete, ach, was war das für ein aufregendes Ereignis! Einfach nur sensationell, du sitzt nachts in einem halbdunklen Raum vor einem bläulich schimmernden kleinen Röhrenmonitor und die Welt steht dir offen. In diesem Augenblick war mir klar, dass das Internet mit seinen unendlichen Möglichkeiten die Welt radikal verändern würde - zum Positiven hin, es verbindet die Menschen.

Bis dass so etwas dann mobil von der Arbeit aus möglich und vor allen Dingen auch bezahlbar war, vergingen aber noch weitere 10 bis 15 Jahre. Und Heute?

Die Aufregung hat sich gelegt, die weltweiten jederzeit verfügbar stehenden Kommunikationsmöglichkeiten sind Routine geworden. Und im Gegenteil zu den Anfängen des Kommunikationszeitalters, ist es heute sogar ein Luxus, ein mal nicht erreichbar zu sein und ungestört vom "Rest der Welt" die Zeit mit sich selber verbringen zu dürfen - um dann wieder ganz einfache Selbstgespräche zu führen. Demnach schließe ich, eben auch aus eigener Erfahrung, dass diese Selbstgespräche noch eine weitere wichtige Funktion für die Seele eines Menschen haben müssen.

In Abwandlung des französischen Sprichwortes "Der Appetit kommt beim Essen", sehe ich es so, dass der Gedanke halt beim Reden entsteht. Oder ein bereits vorhandener Gedanke durch das Reden erst entwickelt wird. In einer "echten" Unterhaltung quatscht immer jemand dazwischen, im Gespräch mit sich selber reift der Gedanke oder die Idee. Hat Jesus in Zeiten innerer Einkehr in der Wüste nicht auch "zu Gott" gesprochen? Grummeln oder murmeln während strenger Meditation nicht ebenso Fortgeschrittene auf dem Weg zur vermeintlichen Erleuchtung? Wie war das noch mit Robinson Crusoe?

Dazu dann ein Wandelgang wie in mittelalterlichen Klöstern, wie japanische Gärten oder heilige Pfade der Naturvölker, und fertig ist ein fast perfektes Ebenbild meiner Baustellenbewachung. Auf- und Abgehen, dabei murmelnd Gespräche mit sich selber führen - am Ende werde ich sogar noch dafür bezahlt. Was könnte man mehr wünschen? Du siehst, ich kann mir meine Selbstgespräche auf Nachtschicht sehr gut schön reden bzw. schön schreiben.