33. Nacht:  Eine ruhige Nacht inmitten des Herbstspektakels

<xx>   "Ruhige Nacht!" Das ist im Alltag die Verabschiedungsfloskel nachtarbeitender Menschen. Sie meint eine an Stress oder Aufregung ereignisarme Nacht, nicht eine stille Nacht. Und das ist sie heute auch, ereignisarm also ruhig, so doch nicht still. Die ruhigste Nacht bisher und laut. Der Regen prasselt aufs Hallendach, der stürmische Wind braust herbstlich ums Gebäude aber draußen bewegt sich kein Mensch, nicht einmal ein Auto fährt auf dem schwarz glänzenden Asphalt der Straßen. Sogar die Katzen sind verschwunden. Wer bei diesem Wetter nicht vor die Tür muss, bleibt drinnen, räkelt sich im heimischen Bau. Es sei Zeit, den Winterschlaf zu beginnen, meinte vorhin der Igel und hat sich inzwischen wohl schon eingekugelt. "Bis zum Frühjahr, gute Nacht, gehabt Euch wohl!", hörte ich ihn durch mein inneres Ohr noch sagen, dann verstummte alles, jedes von einem Lebewesen verursachte Geräusch.

Wobei, wenn man die Erde als Lebewesen im unendlichen Kosmos betrachtet, dann macht sie gerade regelrecht Radau. Die Bäume und Sträucher können ein Lied davon singen, finden sie zur Zeit doch überhaupt keine Ruhe mehr und werden von früh bis spät und von spät bis früh durchgeschüttelt als wolle der Herbstwind sie entwurzeln. "Materialprüfung" stand bei einem Rundgang vorhin auf irgendeinem Schild. Na, wenn's so ist. Die Frist beginnt: "Damages have to been reported within three days".

Eine wütende Herbstnacht inmitten einer Halle, in der man nachts jeden Muckser um ein Vielfaches verstärkt wahrnimmt, die hat schon etwas Besonderes.