Im Oktober 2014 überschlugen sich die Meldungen der Medien zu den skandalösen Zuständen in einem Asylbewerberheim. Überforderte Wachleute, für ihre Tätigkeit ungeeignete Kollegen, wurden förmlich zu Tieren, da man sie alleine ließ. Autoritätsmissbrauch und Gewalt waren die Folgen. Auf die Einzelheiten will ich an diesem Ort gar nicht eingehen, jedenfalls führte ihr Verhalten dazu, dass bereits sämtliche vorhandenen negativen Vorurteile dem Bewachungsgewerbe gegenüber ihre Bestätigungen fanden - was dennoch nichts an der Tatsache ändert, dass es sich bei ihnen um Vorurteile handelt und nicht um die Realität.

Journalistinnen und Journalisten griffen daraufhin in ihre untersten Schubladen und bestärkten und befeuerten geradezu diese Vorurteile allein ihrer Leserschaft zuliebe bzw. um die Auflagen mit Sensationsmeldungen zu steigern. "Gib dem Affen Zucker" - alle paar Monate wird der Auflagen wegen eine neue Sau durchs Dorf gejagt. So ist die Welt, so der Lauf der Dinge - tatsächlich?

Seit mehr als einem viertel Jahrhundert arbeite ich als Wachmann aber die mediale Berichterstattung hatte mich dieses Mal dermaßen geärgert (noch niemals zuvor wurde an einem Sonntagabend in einer Talkshow zur Primezeit unwidersprochen behauptet, generell stünden Wachmänner am Rande der Gesellschaft), dass mir die Idee zu dieser Webseite gekommen war.

Man muss der Allgemeinheit klar machen, sagte ich zu mir selber, dass Wachleute ganz normale Menschen sind wie du und ich. Und eben keine rechten Schläger, gescheiterten Existenzen oder dumpfbackigen Idioten, die, wie in Hollywood-Streifen gerne gezeigt, feist, fett und geistig minderbemittelt irgendwelche stumpfsinnigen Tätigkeiten nachgehen. Dabei bringt es wenig, die Menschen mit theoretischen Profilanforderungen einzelner Tätigkeitsbereiche zu langweilen, denn neben hochqualifizierten Wachleuten gibt es schließlich auch solche klassischen Tätigkeiten, die immer schon geringqualifizierte Menschen ausüben konnten. Dies lässt aber nicht den Schluss zu, dass diese Wachleute dumm sind, denn selbst bei geringen fachlichen Anforderungen trägt der Wachmann dennoch ein hohes Maß an Verantwortung und hat besonnen und intelligent seine Aufgaben zu meistern. Offensichtlich seelisch gestörte Persönlichkeiten finden bei keinem seriösen Wachschutz-Unternehmen Beschäftigung.

Dass es vermehrt unseriöse Wachschutz-Unternehmen gibt, liegt in erster Linie an der "Geiz-Ist-Geil-Mentalität" der Kunden bzw. der Auftraggeber, die glauben, für wenige Euro kompetente Spezialisten beauftragen zu können. Sehr oft sind dies auch Auftraggeber der öffentlichen Hand, die von privatwirtschaftlichen Preisen nichts wissen wollen oder die durchweg inkompetent in diesem Bereich sind und sich mit zugesicherten Normen auf Papier zufrieden geben, Hauptsache billig. Und so lange alles gut geht, kräht sowieso kein Hahn danach; erst nach Katastrophen, wie es die jüngsten Ereignisse gezeigt haben, meldet sich ein Handlungsbedarf - der leider allzu oft schnell wieder abebbt, sobald sich der mediale Sturm gelegt hat.

Wie dem auch sei, weder sind die Vorurteile der Bevölkerung noch ist die Spar-Mentalität der Kunden mit Fakten und der Ratio veränderbar, das zeigt die Erfahrung. Somit möchte ich wenigstens den Versuch unternehmen, einen Alltag aufzuzeigen, indem ich den interessierten Zeitgenossen die Möglichkeit gebe, von Zeit zu Zeit meine Gedankenwelt mit ihnen zu teilen, nicht, um mich als akademisch gebildeter Wachmann positiv darzustellen oder "klugzuscheißen", sondern um einen Einblick in einen Menschen zu gewähren, der selbst bei der "niedrigsten Tätigkeit" immer noch versucht, eben ein solcher, ein Mensch zu bleiben. Und ob Sie es glauben oder nicht, so geht es der weit überwiegenden Zahl anderer Wachleute ebenso.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen angenehmen und vielleicht erkenntnisreichen Aufenthalt auf diesen Webseiten.